14  Die Kultstätte

Vorchristliche germanische Kultstätten sind bisher in Baden-Württemberg archäologisch nicht nachgewiesen. Dennoch wissen wir aus verschiedenen Schriftquellen, dass die in der ehemaligen römischen Provinz eingewanderten Germanen ihre religiösen Vorstellungen mitgebracht haben. Die Kultstätte des Alamannen-Museums Vörstetten wurde nach dem Vorbild einer Rekonstruktion in Thüringen (Oberdorla) nachgebaut. Die Anlage besteht aus einer kreisförmigen Umzäunung, in deren Mitte sich Holzstatuen und Altäre befinden. Eine Schautafel informiert über den germanischen Götterglauben und die Christianisierung der Alamannen nach 600 n. Chr.

 

 

 

 

 

 

 

Der germanische Götterglaube

Der germanische Glaube war eine Naturreligion. Schon Tacitus schreibt in seiner „Germania“, dass die Germanen es ablehnten, ihre Götter im Tempel einzusperren. Deshalb wurden Orte in der Natur als heilig verehrt: Haine, Quellen, Moore – aber auch Bäume oder Steine wurden als Sitz göttlicher Mächte verehrt. Sie wurden für kultische Handlungen genutzt, bei denen Opfergaben gebracht wurden. Mit dem Opfer erflehte man die Genesung von einer Krankheit, den Schutz vor Unwettern und eine gute Ernte, Fruchtbarkeit und Kindersegen oder man dankte den Göttern für die Er-rettung aus einer Gefahr.

Von ihrem Götterhimmel kennen wir heute insbesondere die Götter, nach denen unsere Wochentage benannt sind: Wodan (Wednesday oder Mittwoch), Donar (Donnerstag), Freya (Freitag), Tyr (Dienstag), oder Ziu (alemannisch Zischdig). Wodan war der Göttervater und schenkte Macht und Ansehen. In einer Esche thronend erfand er die Runenschrift. Wodans Sohn Donar war der Herr über Blitz und Donner. Freyr, der Sonnengott, half aus allen Nöten. Seine Schwester Freya besaß magische Kräfte, konnte zaubern und weissagen und war heilkundig.

In der kreisförmig angelegten Kultstätte befinden sich zwei Altäre für die Ablage der Opfergaben. Geopfert wurden Kultgegenstände wie Holzstäbe, Keulen, Hämmer, Waffen sowie Tierschädel und Tierknochen (u.a. Pferd und Rind). Gefunden wurden in der Kultstätte auch Holzfiguren mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen, die auf einen Fruchtbarkeitskult hinweisen.

Die beiden kleinen Figuren aus Oberdorla datieren aus dem 3. Jahrhundert n.Chr. Die große Holzfigur wurde in Braak (Schleswig-Holstein/Kreis Eutin) gefunden und stammt aus dem 4./5. Jahrhundert v. Chr. Die Kultfigur (altnordisch „hulgud“ = Holzgott) gehörte zusammen mit der weiblichen Figur wahrscheinlich zum Nerthus-Kult, einem Fruchtbarkeitskult.

Auch über die Jenseitsvorstellungen der Alamannen wissen wir nur wenig. Anhand von Grabbeigaben kann die Archäologie jedoch Aussagen über den Totenkult und dem Jenseitsglauben machen. Die Alamannen glaubten an ein Leben nach dem Tod im Jenseits, das als Schattenreich verstanden wurde. Die Toten bekamen Speisen und Getränke und Alltagsgegenstände mit ins Grab, die Frauen Schmuck und Amulette, die Männer Waffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alamannisches Fürstenbegräbnis, inszeniert auf dem Freigelände des Museums nach Grabungsbefunden aus dem Sängergrab von Trossingen für ein SWR-Filmteam 2015.

 

Der Nerthus-Kult

Tacitus berichtet in seiner „Germania“ vom Fest der Göttin Nerthus. Nerthus war die „Mutter Erde“. Zum Frühlingsbeginn fuhr sie auf ihrem von Kühen gezogenen Wagen durch das Land. Die Zeit des Umzuges war heilig, im ganzen Land herrschte Friedenspflicht.

Die Holzfigur der Göttin von Oberdorla (Thüringen) stammt aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Möglicherweise war der Nerthus-Kult eine Erinnerung an einen Fruchtbarkeitskult aus vergangenen matriarchalischen Zeiten, der in der Völkerwanderungszeit einem patriarchalischen Kriegerkult weichen musste.

Die Behauptung des Tacitus, dass die Diener der Göttin geopfert wurden, sind möglicherweise Schauer-geschichten römischer Legionäre. Bei den Germanen war die Grenze zwischen ritueller Opferung und Strafe fließend, Menschenopfer sind wissenschaftlich umstritten.

 

 

 

 

Öffnungszeiten:

Freilichtsaison (Mai - Oktober)

Donnerstag:10 - 17 Uhr

Freitag:10 - 15 Uhr

Samstag:14 - 18 Uhr

Wintersaison (November - April)

Mittwoch:10 - 15 Uhr

Donnerstag:10 - 17 Uhr

Freitag:10 - 15 Uhr

 

An Feiertagen ist das Museum

geschlossen.

 

 

Eintrittspreise:

Erwachsene:4,00 €

Ermäßigt*:2,00 €

*(Schüler, Studenten, Auszubildende

   und Behinderte mit Ausweis)

 

 

 

 

 

 

Das Museum ist

behindertengerecht.

Das Museum verfügt über

einen Behindertenparkplatz

sowie über einen Fahrstuhl

und behindertengerechte

Sanitäranlagen.

 

Telefon: 07666 - 88 200 42