Ausstellung & Freigelände
DIE INNENRÄUME DES MUSEUMS
Im Innern des Museums können 3 Räume besichtigt werden: einer im Erdgeschoss, einer im ersten Stock und ein Anbau.
Das Erdgeschoss widmet sich zum einen der Geschichte der Alamannen und zum andern den Ausgrabungen in Vörstetten. Auf zahlreichen Geschichtstafeln wird der Frage nachgegangen, wer die Alamannen waren, woher sie kamen und in welchem Verhältnis sie zu ihren unmittelbaren Nachbarn, den Römern, standen. Andere Tafeln und Vitrinen zeigen Bilder von den Ausgrabungen, die in den 90er und 2000er Jahren in Vörstetten stattfanden, und präsentieren die hierbei gemachten Funde und Forschungsergebnisse.
Im ersten Stock wird der Lebensalltag der Alamannen des 4./5. Jahrhunderts anhand von Schautafeln und rekonstruierten Gerätschaften anschaulich gemacht: wie wurde Feuer gemacht, wie Brot gebacken, geschmiedet, gedrechselt, gewebt? Wie sahen Kleidung und Bewaffnung der Alamannen aus, und wovon ernährten sie sich?
Im Anbau finden Sonderausstellungen statt. Derzeit wird eine Ausstellung gezeigt, jn deren Mittelpunkt der römische Kaiser Valentinian I. (er regierte von 364 bis 375 n.Chr.) steht, der noch einmal versuchte, für geordnete Verhältnisse im Zusammenleben von Römern und Alamannen entlang des Rheins zu sorgen.

Das Freigelände
Der Alamannenhof hat eine Grundfläche von ca. 800-1000 m². Zum Hof gehören unter anderem das Wohnstallhaus als Hauptgebäude, ein Rundspeicher (Rutenberg), ein Backofen, ein Brunnen, ein Grubenhaus, eine Werkstatt zum Töpfern, eine Schmiedewerkstatt, ein Handwerkerhaus und ein Hausgarten. Der Hof ist von einem Flechtzaun aus Weidenruten umgeben. Der Zaun hatte in der Alamannenzeit eine dreifache Funktion: Schutz von Menschen und Haustieren vor wilden Tieren, Abgrenzung des Hofbesitzes und Rechtsschutz (Friedenspflicht innerhalb des umgrenzten Areals). In frühmittelalterlichen Schriftquellen werden verschiedene Nebenbauten genannt, so der Schafstall (ovilis) und der Schweinestall (domus porcaritia). Diese konnten archäologisch jedoch nicht nachgewiesen werden.

Das Wohnstallhaus
Auf der Grundlage der Ausgrabungen im Vörstetter Gewann „Grub“ wurde im September 2007 mit der Rekonstruktion des Wohnstallhauses auf dem Freigelände des Alamannen-Museums begonnen. Es entstand ein dreischiffiger Pfostenbau mit einer Länge von 16 m und 6,60 m Breite. Die das Dach tragenden Ständer sind Eichenspältlinge, die 80 – 90 cm tief in den Boden eingelassen wurden. Die Wandpfosten sind nicht in die Wand integriert und 40 – 50 cm tief in den Boden eingelassen. Zwischen den Wandpfosten befindet sich ein Geflecht aus Weidenruten, das mit Lehm verputzt ist, in den Strohhäcksel gemischt wurde. Zwischen den Wänden und dem Dach besteht eine Fuge von ca. 20 cm, die dem Lichteinfall und der Belüftung des Hauses dient und dafür sorgt, daß der Rauch des Herdfeuers nach oben abzieht. Die Dachneigung beträgt 54 Grad, das Dach muß so steil sein, damit das Regenwasser möglichst schnell abfließen kann und schwerer Schnee nicht auf dem Dach liegenbleibt. Die Dacheindeckung besteht aus Schilf (Reet) vom Neusiedler See, in der frühalamannischen Zeit kann auch Langstroh verwendet worden sein. Der Innenraum ist unterteilt in einen Stall- und einen Wohnbereich, dazwischen befand sich eine schmale Diele, die den Wohnteil mit einer Flechtwerkwand und einer Durchgangstür vom Stallbereich trennt. Um Museumsbesucher auch in Gruppen den Innenraum zeigen zu können, wurde diese Wand weggelassen. Die Mitte des Stallteils wurde als Wirtschaftsraum für die Versorgung des Viehs genutzt, in den Seitenschiffen befanden sich die Boxen für das Vieh. Das Wohnstallhaus hat keinen Rauchabzug. Die Raumhöhe von 5 – 6 m reicht aus, um den Rauch aufzunehmen. Der Rauch zieht durch das Schilf hindurch und konserviert es dabei. Eine Zwischendecke zur Lagerung der Vorräte war im 4./5. Jahrhundert nicht üblich. Die Vorräte lagerten in den Speicherbauten. Es ist allerdings denkbar, dass es über den Stallboxen einen Zwischenboden gab. Die Einrichtungsgegenstände im Wohnstallhaus sind Nachbildungen von Grabungsfunden aus Oberflacht und Trossingen (beide Kreis Tuttlingen). Günstige Bodenverhältnisse ermöglichten dort die Konservierung zahlreicher Holzgegenstände. Die Gegenstände, Ess- und Trinkgeschirr, Löffel und Kellen und Mobiliar wie Tische, Betten, Truhen, Hocker und Bänke machen deutlich, daß die frühen Alamannen Meister der Holzbearbeitung waren. Die meisten Gegenstände stellten die Bewohner des Alamannenhofes selbst her, nur die Drechsler und Böttcher benötigten spezielle handwerkliche Fertigkeiten und Arbeitswerkzeuge. Das Bett auf der linken Seite des Wohnraumes wurde nach dem Grab 162 aus Oberflacht rekonstruiert, die Verzierungen wurden vom Rahmenbett der Ausgrabung Lauchheim übernommen. Aufgrund der schmalen Konstruktion wurden solche Betten lange für Totenbetten gehalten. Inzwischen wird jedoch die Meinung vertreten, daß auch zu Lebzeiten darin geschlafen wurde. Die beiden Rundtische sind Nachbauten des Grabungsfundes aus dem sog. Leiergrab von Trossingen. Die Tischplatten sind aus einem Stück Ahorn gedrechselt, die Beine sind aus Eschenholz. Der kleine Kindertisch mit den fünf gedrechselten Beinen ist ein Nachbau von der Ausgrabung Fallward (Niedersachsen).

Die Römerecke
Die „Römerecke“ ist keine archäologische Rekonstruktion, sondern ein Phantasieprodukt. Wir wollen zeigen, daß die im 4. Jahrhundert n. Chr. einwandernden Germanen sich oftmals in der Nähe der ehemaligen römischen Gebäuden und Siedlungen niedergelassen haben. Die Römer bauten mit Steinen, die Alamannen mit Holz. Die Steinmauer soll die Reste eines römischen Wachtturmes darstellen, nach historischem Vorbild mit dem Rest einer Palisade. Neue Grabungen in der Nähe der Saalburg haben ergeben, daß die Limestürme verputzt und mit einem weißen Kalkanstrich versehen waren. Die Fugen der Quaderung waren mit einer rötlichen Farbe gestrichen. Dies zeigt unsere Demonstrationsfläche an der Turmmauer.

Das Stallgebäude und die Töpferwerkstatt
Das Stallgebäude ist archäologisch nicht nachgewiesen, es diente bis 2021 als Töpferwerkstatt. Bei der Errichtung 2006 konnten wichtige Erfahrungen hinsichtlich der Herstellung der Lehmflechtwände gesammelt werden. Vermischt mit gehäckseltem Stroh und Leinöl war der Lehm ein vorzüglicher Baustoff. Der in einem großen Behälter mit Wasser angerührte Lehmbrei wurde mit den Füßen durchgetreten. Zwar zeigten sich in der Lehmwand leichte Haarrisse, diese können jedoch mit dünnem Lehmbrei oder mit Kalkputz verschlossen werden. Heute dient das Gebäude als Aufenthaltsbereich und als Aktionsfläche bei Veranstaltungen. 2021/22 wurde eine neue Überdachung auf der Rückseite des Stallgebäudes errichtet, die inzwischen als Töpferwerkstatt dient. Im Sommer und Herbst 2022 wurde unter einer separaten Überdachung auf der Rückseite der Römerecke auch ein römischer Töpferofen zum Brennen von Keramik gebaut. Der hier rekonstruierte Ofen entspricht einem Fund in Laufenburg und wurde aus Gneisgestein und Lehm gemauert. Die frühen Alamannen brannten ihre Keramik eher in einfachen Erdöfen.

Der Speicherbau (Rutenberg)
Der Speicherbau entspricht mit einem Durchmesser von ca. 3,5 m dem im Gewann „Grub“ archäologisch nachgewiesenen Speicher. Es ist ein seitlich offener Rundspeicher, bestehend aus 6 Pfosten (Ruten), die vermutlich eine Länge von 4 – 5 m hatten. Je nach Menge der Erntevorräte konnte das Dach höher und niedriger gestellt werden. Die exakte Rekonstruktion war deshalb möglich, weil ein solcher Rutenberg im Oldenburger Sachsenspiegel in Bild und Text überliefert ist. Die Stämme sind handgeschält und ca. 50 cm tief in den Boden eingelassen. Im slawischen und germanischen Europa war der Rutenberg weit verbreitet, es gibt ihn heute noch in einigen traditionell agrarisch geprägten Regionen (z.B. Masuren).

Der Brunnen
Archäologisch konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob der auf dem Siedlungsareal gefundene Brunnenschacht aus einer Holzverschalung oder aus einem Weidengeflecht bestand. Aufgrund der kreisförmigen Verfärbungen im Boden war ein Rundbrunnen wahrscheinlich. Der Grundwasserspiegel lag damals wahrscheinlich bei ca. 2 – 3 m, auf dem Gelände des Alamannenhofes liegt der Wasserstand heute bei ca. 4 m. Über dem Schacht wurde der Brunnen mit einer Drehkurbel zum Herablassen des Wassereimers errichtet und mit einem Dach versehen. Aus Sicherheitsgründen wird der Brunnen mit einem Deckel verschlossen.

Der Lehmkuppelofen
Als Vorbild des Ofens diente der Grabungsbefund in der germanischen Siedlung von Haarhausen in Thüringen. Das Fundament besteht aus Bruchstein, Schotter und Lehm und hat eine Tiefe von ca. 1 m, davon ist die obere Hälfte sichtbar. Beim Bau der Lehmkuppel wurden mehrere Schichten aus Weidenruten und Jutesäcken übereinander gelegt und jede Schicht mit Lehm bestrichen. Der Lehm für die Kuppel wurde mit gehäckseltem Stroh und mit Leinöl vermischt und härtete nach dem Trocknen sehr gut ab. Der Kuppelbogen hat eine Dicke von ca. 15 cm. Die Ofentür aus Eisen stammt von einem 200 Jahre alten Berghaus aus dem Schwarzwald. Zum Schutz gegen Regen wurde über dem Ofen ein Dach errichtet. Bei Veranstaltungen ist der Lehmofen regelmäßig in Betrieb und produziert erfolgreich Brot und gebackene Teigfladen.

Das Grubenhaus
Der Bau des 2012 entstandenen Grubenhauses beruht auf der Annahme, daß der Grundriß des Gebäudes 3 des Grabungsbefundes einem Grubenhaus entsprechen könnte. Der Grund für den Bau eines Grubenhauses ist das durch das Eintiefen kühle und feuchte Klima in diesem Haus. Das Bodenniveau des Bauwerks liegt bei ca. -0,70 m, die Lehmgrube zur Aufbewahrung von Vorräten reicht noch etwa 0,80 m tiefer. Überspitzt gesagt ist ein Grubenhaus ein Erdkeller, der zur Lagerung verderblicher Vorräte und als Herstellungsort für Textilien genutzt wurde. Gerade Leinengarn läßt sich im feuchteren, kühleren Raumklima eines Grubenhauses besser und einfacher verarbeiten, weshalb auch der Gewichtswebstuhl dort und nicht im Wohnstallhaus aufgestellt ist. Das Dach ist mit dicken Eichenschindeln gedeckt.

Der Geländeschnitt
Beim Aushub der Grube für die Rekonstruktion des Grubenhauses wurden geologische Schichten sichtbar, die aufgrund der Holzverschalung der Grube nicht mehr zu erkennen sind. Deswegen wurde neben dem Grubenhaus ein Geländeschnitt angelegt, der Aufschluß über die verschiedenen Schichten des Vörstetter Schwemmlößfächers gibt. Die unterste Schicht besteht aus Schwarzwald-Schottern der Würmeiszeit (115.000 bis 10.000 v.Chr.). Über den Schottern befindet sich Primärlöß, darüber ein wasserstauender grautoniger Bodenhorizont, der allgemein als „schwarzer Letten“ bezeichnet wird. Darüber befindet sich eine dünne Schwemmlößlage, die in der Neuzeit mit Schotter und Löß aufgefüllt wurde.

Der Hausgarten
Archäobotanische Untersuchungen frühalamannischer Siedlungen haben den Nachweis erbracht, daß die Alamannen den Gartenbau der Römer übernommen haben. Die archäologischen Grabungsbefunde ergaben den Nachweis von Kulturpflanzen mediterraner Herkunft, die ohne die gärtnerische Hege und Pflege verschwunden wären. Nachgewiesen sind Sellerie, Mangold, Runkelrübe, Kohl, Flaschenkürbis und Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen sowie Gartenkräuter wie Bohnenkraut, Petersilie, und Zitronenmelisse und Gewürze wie Koriander und Dill. Die Alamannen kannten aber nicht nur Gemüse- und Kräutergärten, sondern auch Obstgärten. So wurden Reste von Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Pfirsich und Kornelkirsche gefunden. Nachgewiesen ist auch die Walnuss. Sie sind alle mediterraner Herkunft. Für die Vörstetter Siedlung fehlen allerdings die botanischen Nachweise von Obstgärten. Es ist möglich, dass einige Pflanzen wildwachsend vorkamen und gesammelt wurden wie Holzapfel, Vogelkirsche, Schlehe, Hasel und Hopfen. Die Vielfalt der Nahrungspflanzen weist darauf hin, daß die Hausgärten der Alamannen der Selbstversorgung dienten.

Die Schmiedewerkstatt
Archäologen haben nachgewiesen, daß die Vörstetter Alamannen, wie schon vorher die Kelten und Römer, Eisenerz verhüttet haben, um Gegenstände aus Eisen zu schmieden. Eisenerzbrocken und Verhüttungsschlacke sind nachgewiesen. Die Pfostenstellung des Gebäudes 3 des Grabungsbefundes könnte auf eine Schmiedewerkstatt hinweisen, daher wurde 2013/14 daher auf dem Freigelände eine Schmiedewerkstatt rekonstruiert. Praktikanten der Werkrealschule Denzlingen errichteten zwischen 2014 und 2022 verschiedene Nachbauten von Rennöfen, in denen die Alamannen Eisenerz mit Hilfe von Holzkohle verhüttet haben. Das Eisenerz der alten Vörstetter Alamannensiedlung wurde am Einbollen bei Denzlingen aus dem Berg geholt und im Rennofen bei ca. 1.200 Grad geschmolzen. Mit Blasebälgen kann diese hohe Temperatur erreicht werden.

Das Handwerkerhaus
Auf dem Freigelände des Alamannen-Museums in Vörstetten wurde 2015 ein Handwerkerhaus aus der Zeit des 5./6. Jahrhundert n. Chr. rekonstruiert. Unter der Leitung des Archäologen Dr. Christian Maise erfolgt die Rekonstruktion auf der Grundlage der archäologischen Ausgrabungen im Vörstetter Gewann „Grub“ (heute Gewerbegebiet). Anders als das Wohnstallhaus hat das Handwerkerhaus einen nahezu quadratischen Grundriss und eine zentrale Vier-Pfosten-Konstruktion, die durch einen Firstpfosten stabilisiert wird. Das mit Holzschindeln gedeckte Walmdach bildet eine Art umgekehrten Korb, der in sich stabil ist und der Gesamtkonstruktion zusätzliche Stabilität verleiht. Die vier Pfosten bestehen aus Eiche, die Sparren aus Esche. Die beiden Holzarten sind durch anthrakologische Analysen wissenschaftlich nachgewiesen. Der Grundriß unterteilt das Haus in einen Arbeitsbereich und einen Wohnbereich, der aus einer Rauchküche und einem angrenzenden beheizbaren Wohnraum besteht. Die Heizung erfolgt durch einen Lehmkuppelofen. Die Konstruktion verdeutlicht den bauhistorischen Fortschritt und die sich entwickelnde Arbeitsteilung in der Übergangszeit von der Spätantike zum frühen Mittelalter. Waren die im 4. Jahrhundert einwandernden Germanen noch überwiegend Selbstversorger, so entwickelten sich durch den Kontakt mit der galloromanischen Bevölkerung allmählich die ersten Handwerkerberufe: Schmiede, Töpfer, Drechsler, Wagner u.a. Mit der zunehmenden Besiedlung der Rheinebene und der Bevölkerungszunahme wurden auch Häuser mit handwerklicher Funktion gebaut. Die Bewohner dieser Häuser lebten nicht mehr ausschließlich von der Landwirtschaft, sondern von vielseitigen handwerklichen Tätigkeiten. Die Versorgung mit Naturalien lieferten die Bewohner der benachbarten Wohnstallhäuser.

Die Kultstätte
Vorchristliche germanische Kultstätten sind bisher in Baden-Württemberg archäologisch nicht nachgewiesen. Dennoch wissen wir aus verschiedenen Schriftquellen, daß die in der ehemaligen römischen Provinz eingewanderten Germanen ihre religiösen Vorstellungen mitgebracht haben. Die Kultstätte des Alamannen-Museums Vörstetten wurde nach dem Vorbild einer Rekonstruktion in Thüringen (Oberdorla) nachgebaut. Die Anlage besteht aus einer kreisförmigen Umzäunung, in deren Mitte sich Holzstatuen und Altäre befinden. Eine Schautafel informiert über den germanischen Götterglauben und die Christianisierung der Alamannen nach 600 n. Chr.

Der Bogenschießplatz
Auf der von einem Wall umgebenen Wiese wird bei manchen Museumsfesten oder Hofbelebungen eine Bogenschießanlage mit Zielscheiben und Pfeilfangnetz aufgebaut, auf der sich kleine und große Besucher unter Anleitung im Bogenschießen üben können.

Der Kräutergarten
Der Kräutergarten des Alamannen-Museums in Vörstetten wurde nach dem „Liber de cultura hortorum“ („Buch über den Gartenbau“) von Walahfrid Strabo und dem „Herbularius“ (Arzneigarten) im St. Galler Klosterplan gestaltet. Die Anlage entspricht der Rekonstruktion von H.D. Stoffler. Das Gartenbuch entstand wahrscheinlich im Kloster Reichenau und wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch „Hortulus“ (kleiner Garten oder Gärtlein) genannt. In 444 lateinischen Hexametern beschreibt Walahfrid Strabo 24 Pflanzen, die in seinem Klostergarten wachsen. Dazu zählen nicht nur Heilkräuter, sondern auch Speise- und Zierpflanzen (Kürbis, Lilie, Rose). Neben den Heilkräften der Pflanzen werden auch ihr Aussehen und ihre Pflege beschrieben. Walahfrid Strabo wurde 809 als Sohn des freien Alamannen Ruadhelm geboren und 825 in das Kloster Reichenau aufgenommen. 838 wurde er von Kaiser Ludwig den Frommen zum Abt des Klosters bestimmt. Der Kräutergarten ist mit einem Holzzaun umgeben, der nach einem historischen Vorbild rekonstruiert wurde. Vorlage ist die 2. Werkausgabe des „Hortulus“, die von Vadianus (Joachim von Watt, 1484 – 1551) 1512 herausgegeben wurde. Diese Werkausgabe enthält einen Holzschnitt aus der Werkstatt von Albrecht Dürer, der einen mittelalterlichen Gartenzaun darstellt. Im historisch rekonstruierten Kräutergarten des Alamannen-Museums in Vörstetten können sich die Besucher in die Zeit von Strabo zurückversetzen und die Kräuter betrachten, die heilen, nähren und duften. Eine Schautafel informiert die Besucher über diesen mittelalterlichen Kräutergarten.

Der Schaugarten
Der Schaugarten besteht aus einem Getreidegarten und einem Färbergarten. Die bei den Ausgrabungen im Gewann „Grub“ gefundenen Pflanzenreste wurden von Manfred Rösch (Institut für Archäobotanik in Hemmenhofen) wissenschaftlich untersucht. Es konnte nachgewiesen werden, daß die Alamannen bereits die Kombination von Sommer- und Winterfeldanbau kannten: Roggen als Wintergetreide, Gerste, Einkorn, Emmer und Dinkel sowie Hirse im Sommerfeldanbau. Der Anbau erfolgte als Feld-Gras-Wirtschaft, d.h. brachliegende Felder wurden als Viehweide genutzt. Die Dreifelderwirtschaft setzte sich erst im Hochmittelalter durch. Bei den frühen Alamannen wurde vor allem die Gerste angebaut. Gerste konnte wegen ihrer kurzen Vegetationszeit schon frühzeitig geerntet werden. Sie war außerdem vielseitig verwendbar für die Herstellung von Brot, Brei und Bier. Für den Färbergarten wurde ein Versuchsfeld angelegt, das in sechs Felder unterteilt ist, die mit verschiedenen, archäologisch-botanisch nachgewiesenen Färberpflanzen bepflanzt wurden. Im hinteren Bereich sind zwei Felder für Faserpflanzen wie Lein, Hanf oder Nesseln reserviert. Die Bepflanzung kann von Jahr zu Jahr variieren.

Das Roggenfeld
Die Vörstetter Alamannen haben statt der sonst üblichen Gerste vorwiegend Roggen angebaut. Roggen ist eine robuste Getreidesorte und kann auch unter schlechten klimatischen Bedingungen ertragreich sein. Eine botanische Besonderheit ist der hier großflächig angebaute Waldstaudenroggen (Secale multicaule). Er wird bis zu 2 Meter hoch, ist extrem widerstandsfähig und weist eine Frosthärte bis zu minus 25° C auf. Allerdings ist der Ertrag im Vergleich zu modernen Roggensorten nur halb so groß, da die Körner deutlich kleiner sind. Es ist denkbar, daß die frühalamannischen Siedler nicht nur Selbstversorger waren, sondern ihren Getreideüberschuß an die römischen Militärlager in Breisach und bei Jechtingen und/oder an den alamannischen Adel in der Höhensiedlung auf dem Zähringer Burgberg geliefert haben. Gemahlen wurde das Getreide mit Handmühlen.